ADAC und ANWB: Inspektionen werden transparenter und kostenpflichtig 

Interview mit Uwe Frers, Pincamp

 

PiNCAMP bietet ab dieser Saison den „Classification Report” an. Damit erhalten Campingplatz-Eigentümer eine strukturierte Auswertung mit zentralen Kennzahlen und konkreten Handlungsempfehlungen für ihre Investitionen. Gleichzeitig führt PiNCAMP einen Unkostenbeitrag für die Inspektion ein. Wir haben mit Uwe Frers, dem CEO von PiNCAMP, über die Entwicklung der Inspektion und Klassifikation von ADAC und ANWB gesprochen. 

Herr Frers, die Klassifikationen von ADAC und ANWB gelten als die strengsten Methoden zur Messung von Qualität auf Campingplätzen. Wie hat sich dieses System entwickelt? 

Ende der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts haben die Camper sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden den Sprung über die Alpen nach Südeuropa gewagt. Unterstützt wurden sie dabei von den beiden großen Mobilitätsclubs ADAC und ANWB, die den Bedarf der Camper nach Orientierung, aber auch das grundsätzliche Potential von Camping früh erkannt haben. Mit den ersten Campingführern der beiden Organisationen wurde nicht nur eine Übersicht, sondern auch eine qualitative Einschätzung der verfügbaren Campingplätze publiziert. Über die Jahre hat sich daraus beim ADAC und ANWB die Kombination aus Inspektion und Klassifikation entwickelt, der Millionen von Campern vertrauen. Aber auch die Campingplätze schätzen die unabhängige und objektive Qualitätsmessung, der Status „Superplatz“ des ADAC und „ANWB Top Camping“ des ANWB werden von vielen Teilnehmern der Branche als bestmögliche Auszeichnungen wahrgenommen. 

Was ist das Besondere an dem System von ADAC und ANWB? 

Basis des Systems zur Messung von Qualität auf Campingplätzen ist die Trennung des Prozesses in Inspektion und Klassifikation. Die Inspektion erfolgt durch geschulte Inspekteure, deren wichtigste Werte Unabhängigkeit und Objektivität sind. Unsere Inspekteure müssen und dürfen keine Anzeigen verkaufen, sie sind nicht käuflich. Jeder Verdacht auf Einflussnahme durch kommerzielle Interessen ist ausgeschlossen. Die Inspektion basiert auf einem detaillierten Bewertungssystem mit über 200 Parametern, das europaweit einheitlich angewendet wird. Das Ergebnis der Inspektionen von PiNCAMP bildet die Basis für die Klassifikation von ADAC und ANWB. Ein ausgeklügelter Algorithmus gewichtet die Ergebnisse der Inspektion und verwandelt sie in ein für Camper leicht verständliches Sterne-System. Diese Kombination aus objektiver Vor-Ort-Inspektion, detailliertem Bewertungssystem und einem einheitlichen europäischen Standard im Rahmen der Inspektion sowie dem standardisierten Algorithmus der Klassifikation sorgen für die hohe Glaubwürdigkeit und internationale Anerkennung. 

Früher haben sowohl der ADAC als auch der ANWB eigene Inspekteure entsandt. Seit  letztem Jahr wurde die Inspektion unter dem Dach von PiNCAMP zusammengeführt. Was bedeutet das konkret für Campingplätze? 

Während sich die Klassifikationen von ADAC und ANWB teilweise deutlich unterscheiden, waren die Inspektionen bereits in der Vergangenheit sehr ähnlich aufgebaut. Im Rahmen der Zusammenführung der Camping-Aktivitäten von ADAC, ANWB und TCS unter dem Dach von PiNCAMP wurden die Inspektionen vereinheitlicht, modernisiert, und technisch wie organisatorisch zusammengeführt. Für Campingplätze hat das mehrere Vorteile: Der zeitliche Aufwand für den Betreiber sinkt, weil nur noch einmal inspiziert wird. Gleichzeitig steigt die internationale Sichtbarkeit, weil jede Inspektion automatisch zu einer Klassifikation von ADAC und ANWB führt – ein klarer Mehrwert im internationalen Wettbewerb. Im Rahmen der Zusammenführung führten wir einen intensiven Dialog mit der Branche, um Verbesserungswünsche der Campingplätze zu integrieren. Durch den Austausch hat die Inspektion nochmals an Transparenz gewonnen. 

Sind damit auch die Klassifikationen von ADAC und ANWB vereinheitlicht worden? 

Nein, die Klassifikationen von ADAC und ANWB bleiben weiterhin eigenständig, die Ergebnisse werden auch zukünftig auf Basis von zwei unterschiedlichen Algorithmen unabhängig berechnet. Das bedeutet konkret: Ein Campingplatz kann beim ADAC mehr Sterne erhalten als beim ANWB – und umgekehrt. Damit berücksichtigen wir auch in Zukunft die unterschiedlichen Bedürfnisse von deutschen und niederländischen Campern.
 

Wurden auch an den Klassifikationen Veränderungen vorgenommen? 

Im Rahmen der Überarbeitung des Gesamtsystems haben wir die Klassifikationen von ADAC und ANWB modernisiert. Strukturell wurde das Bewertungssystem vereinfacht und zugleich präzisiert. Es basiert nun auf einem klaren Punktesystem, bei dem die Campingplätze bis zu 1.000 Punkte erreichen können. Aber auch in den Details haben wir optimiert. Ein Beispiel ist die stärkere Berücksichtigung von Freizeit- und Badeangeboten – einschließlich natürlicher Badegewässer und der Infrastruktur im direkten Umfeld. 


Die Klassifikationsalgorithmen von ADAC und ANWB sind geheim. Wie stellen Sie dennoch Transparenz bei den Campingplätzen sicher? 

Mit der Saison 2026 führen wir einen schriftlichen „Classification Report“ ein. Damit erhalten Campingplätze nach der Inspektion erstmals eine strukturierte Auswertung mit zentralen Kennzahlen und konkreten Handlungsempfehlungen. Unser Ziel ist es, nicht nur zu bewerten, sondern echten Mehrwert für die Campingplätze zu liefern. Betreiber können auf Basis des Reports gezielt investieren, um ihr Angebot und die Qualität konsequent weiterzuentwickeln. Letztendlich wird das auch einen positiven Einfluss auf die Entwicklung von Auslastung und Umsatz haben. In einer Zeit, in der der Markt immer professioneller und wettbewerbsintensiver wird, ist das ein entscheidender Vorteil. 

Die Inspektion wird ab 2026 kostenpflichtig. Warum ist dieser Schritt notwendig? 

Die Kosten für die Durchführung der Inspektionen sind in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Um die Qualität und Unabhängigkeit der Inspektionen langfristig zu sichern, führen wir ab 2026 einen moderaten Unkostenbeitrag ein. Eine Erstinspektion für neue Campingplätze kostet 299 €. Bereits früher inspizierte Campingplätze beteiligen wir je nach Platzgröße mit 149 € bis 299 € an den Kosten. Der Unkostenbeitrag deckt lediglich einen Teil unserer Gesamtkosten ab, wir haben dabei keine Gewinnerzielungsabsicht. Besonders wichtig für uns: Wir garantieren weiterhin volle Objektivität durch eine klare Rollentrennung. Die Qualitätsprüfung vor Ort wird ausschließlich von einem neutralen Inspekteur durchgeführt, der nicht gleichzeitig Werbeanzeigen verkauft. Gerade diese Unabhängigkeit ist ein wesentlicher Grund für das Vertrauen, das Camper und Betreiber gleichermaßen in die Klassifikationen von ADAC und ANWB haben. 

Was bedeutet diese Veränderung für den Prozess? Wie stellen Campingplätze sicher, dass sie auch inspiziert werden und damit eine Klassifikation 2027 von ADAC und ANWB erhalten ? 

Ab Juni 2026 gehen unsere Inspekteure wieder auf Tour. Wenn ein Campingplatz in dieser Saison inspiziert werden möchte, muss die Inspektion online beantragt werden. Ohne Beantragung kann keine Inspektion stattfinden. 

Unter dieser Internetseite kann die PiNCAMP Inspektion ab sofort beantragt werden:
 https://business.pincamp.com/inspection-order/ 

Anfang Juni informieren wir alle Campingplätze über den Zeitplan der Inspektion. 


Der neue „Classification Report“ ist eine wichtige Basis für Investitionsentscheidungen. Wann erhalten die Campingplätze den Report? Und an wen können sie sich bei Fragen wenden? 

Der „Classification Report“ ist eine strukturierte Auswertung mit zentralen Kennzahlen und konkreten Handlungsempfehlungen. Alle Campingplätze, die sich für eine Inspektion 2026 entscheiden, erhalten den Report im Oktober/November per E-Mail zugesandt. 

Für Fragen steht unser Team gerne zur Verfügung: [email protected] oder +49 (0) 30 – 21 78 24 04. 

Vielen Dank für das Gespräch.